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Rehabilitation in Deutschland – eine Übersicht

Kuckucksuhren, Sauerkraut, Weißbier oder Kartoffeln – alles typisch deutsch. Was man auch als typisch deutsch beschreiben kann ist die Reha-Klinik. Rehabilitationskliniken findet man in den schönsten Gegenden Deutschlands: im Schwarzwald, an der Mecklenburgischen Seenplatte, im Harz oder an der Nord- und Ostsee.

Was genau ist eine Reha?

Reha ist die Kurzform von Rehabilitation welches wiederum aus dem Lateinischen “rehabilitatio” kommt und übersetzt Wiederherstellung und Wiederbefähigen bedeutet. Das Ziel einer Reha ist es also den ursprünglichen Gesundheitszustand des Patienten und idealerweise die volle Leistungsfähigkeit für das berufliche als auch private und gesellschaftliche Leben.

Reha und Kur sind keine Synonyme

Der ein oder andere wird bei der Reha gleichzeitig an die Kur denken oder beide womöglich gleichsetzen. Bei der Reha und der Kur geht es im Grundgedanken um das gleich nämlich Ihre Gesundheit. Dennoch ist die Kur kein Synonym für die Reha und die Reha ist kein Synonym für die Kur.

Die Reha ist für die Wiederherstellung der Gesundheit zuständig. Reha-Patienten hatten in der Vergangenheit zum Beispiel eine Operation, einen Unfall, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder Burnout. Eine Reha kommt auch bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Multiple Sklerose zum Einsatz.

Beispielsweise lernt der Patient in der Reha nach einer Rückenoperation durch gezielte Bewegungsübungen wieder zu laufen und Alltagsbewegungen zu meistern und ein Schlaganfallpatient trainiert mit einem Logopäden das Sprechen.

Die Rehabilitation richtet sich also primär an Menschen, welche bereits unter starken gesundheitlichen Einschränkungen leiden und dessen Leben bereits körperlich, seelisch, oder geistig beschnitten ist.

Eine Reha-Maßnahme soll verhindern, dass sich diese Einschränkungen und Beschwerden verschlimmern um gleichzeitig einer Arbeitsunfähigkeit, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit zuvorzukommen.

Eine Kur hingegen ist eine präventive Maßnahme und setzt bei gesunden Menschen an, sprich die Gesundheit des Patienten soll erhalten bleiben. Einer womöglich schwächelnden oder nachlassenden Gesundheit soll mit einer Kur vorgebeugt werden und die Gesundheit soll, in Behördensprache ausgedrückt, gefestigt werden.

Da die Kur bei gesunden Menschen ansetzt und das primäre Ziel ist, die Gesundheit zu erhalten, stehen hier häufig Behandlungen mit Wellnesscharakter an – beispielsweise kommen bei der Kur Massagen, Bäder, Moorpackungen oder auch Spaziergänge zum Einsatz.

Spätestens bei dem Aufbau der Behandlung wird der Unterschied zwischen einer Kur und der Reha deutlich. Ziel der Reha ist es die Gesundheit eines Patienten wiederherzustellen. Nach einer Operation kommen beispielsweise verschiedene Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Sporttherapie zum Einsatz welche eine aktive Mitarbeit des Patienten erfordern und welche, je nach Gesundheitszustand, teilweise anstrengend sein können. Wer vor einer Rehabilitation steht, sollte also keinen Wellnessurlaub erwarten, sondern durch sinnvolle und teilweise anspruchsvolle Übungen aktiv seine Gesundheit verbessern wollen.

Unterschiedliche Reha-Behandlungen und -Ziele

Auch eine Reha ist nicht gleich Reha. Es wird zwischen der Frührehabilitation, Anschlussheilbehandlung und dem Heilverfahren unterschieden.

Frührehabilitation (FR)

Eine Frührehabilitation ist eine früh eingesetzte rehabilitationsmedizinische Behandlung welche vor allem bei Patienten mit starken Hirnschädigungen zum Tragen kommt. Die Frührehabilitation beginnt meistens bereits im behandelnden Krankenhaus [§ 39 Abs. 1 Satz 3 SGB V]. Sobald die akute Behandlung im Akutkrankenhaus abgeschlossen ist, der Patient stabil ist und das Krankenhaus keinen akuten Versorgungsauftrag mehr hat kann die Behandlung auch in einer spezialisierten Reha-Einrichtung fortgeführt werden [beta Institut gemeinnützige GmbH, 2019].

Anschlussbehandlung / Anschlussrehabilitation (AHB)

Wie der Name andeutet findet eine Anschlussbehandlung im direkten Anschluss an die Akutbehandlung im Krankenhaus statt und ist eine Rehabilitationsmaßnahme nach einer schweren Erkrankung oder Verletzung um wieder in den normalen Alltag zu finden und sich an physisch und psychisch wieder an alltägliche Aufgaben zu gewöhnen. Die AHB findet unmittelbar oder spätestens 2 Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus statt und kann sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden [Deutsche Rentenversicherung, 2020].

Heilverfahren (HV)

Spielt jemand mit dem Gedanken, für seine körperlichen oder psychischen Beschwerden, eine Reha zu beantragen, so ist mit aller Wahrscheinlichkeit ein Heilverfahren gemeint. Während eine Anschlussbehandlung nur nach einem Krankenhausaufenthalt beantragt werden kann, ist ein Heilverfahren auch ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt möglich. Nach Absprache mit dem behandelnden Arzt kann die Rehabilitation als Heilverfahren beispielsweise bei chronischen- oder Erkrankungen mit langsamen Verlauf beantragt werden.

Ziele einer Rehabilitation

Die Ziele einer Rehamaßnahme sind selbstverständlich abhängig von der Erkrankung, beispielhaft zu nennen sind folgende:

  • Erhalt und Wiederherstellung der Mobilität
  • Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und der Muskelkraft
  • Vorhandene Funktionsfähigkeit im alltäglichen Leben zu erhalten und zu verbessern wie beispielsweise das Treppensteigen mit weniger Pausen und Anstrengung zu ermöglichen oder die Gehstrecke zu verbessern
  • Wiederherstellung der Fähigkeit das alltäglichen Lebens selbstständig zu bewältigen wie beispielsweise der Autonomie bei dem Toilettengang
  • Gesundheitsbewusstsein aufbauen wie zum Beispiel Ziele und Maßnahmen Nichtraucher zu werden, Bewegung in den Alltag zu integrieren oder die Ernährung gesund umzustellen
  • Berufliche Wiedereingliederung in das Berufsleben bzw. der Erhalt der Berufsfähigkeit
  • Lindern von chronische Schmerzzustände und das verhindern des Fortschreitens dieser
  • Verminderung von Schmerzen
  • Verbesserung von Konzentration und Merkfähigkeit
  • Verbesserte Stressbewältigung
  • Reduktion von Ängsten

Die zuvor genannten Rehaziele sind lediglich Beispiele und die Ziele und der Ablauf der Reha sind immer individuell und werden mit dem behandelnden Arzt zu Beginn der Behandlung festgelegt.

Das Wahlrecht des Patienten

Möchte ein Patient eine Reha beantragen, so hat er laut dem Sozialgesetzbuch IX § 9 das Recht eine geeignete Rehaklinik selbst auszusuchen.

Eine gute Übersicht zum Wunsch- und Wahlrecht ist hier zu finden.

Auch kann er durch diese gesetzliche Grundlage selbst entscheiden, ob die Reha ganztägig ambulant, sprich wohnortnah und ohne Übernachtung, oder stationär durchführen möchte.

Ambulant oder stationär?

Hier geht es weiter zum Artikel “Ambulant oder stationär – Warum die Zukunft der Rehabilitation ambulant ist”

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